Es ist einfach perfekt.

 

Aufgewachsen bin ich unter dem Motto „Nein, das gibt es auch billiger.“ Kein Wunder, sind meine Eltern zu Beginn der 40er geboren und sie mussten sehr lange mit sehr wenig Geld auskommen. „Da lernt man das Sparen!“, pflegte meine Mutter zu sagen. Und das sagte sie oft. Manchmal fühlte ich mich als Kind ein wenig schlecht, weil ich kein Nachkriegskind war und mir eigentlich nichts fehlte. Das wiederum lag daran, und dafür danke ich ihr sehr, dass meine Mutter wert darauf legte, uns Kinder das wenige Geld nicht spüren zu lassen. Worauf sie damals klammheimlich immer wieder verzichtete, das verrät sie nicht, sondern sie winkt einfach ab mit einem „Ach!“ 

 

Es ist Donnerstagabend. Mit offenem Mund und absoluter Begeisterung betrete ich das Apartment, das die nächsten Tage über mein sein soll. Der Ort, den den ich mich zum Schreiben eingemietet habe. Der Ort, der mir die Energie verleihen soll, das nächste Buch zu erschaffen.

Es ist einfach perfekt.

Aufgewachsen bin ich unter dem Motto „Nein, das gibt es auch billiger.“ Kein Wunder, sind meine Eltern zu Beginn der 40er geboren und sie mussten sehr lange mit sehr wenig Geld auskommen. „Da lernt man das Sparen!“, pflegte meine Mutter zu sagen. Und das sagte sie oft. Manchmal fühlte ich mich als Kind ein wenig schlecht, weil ich kein Nachkriegskind war und mir eigentlich nichts fehlte. Das wiederum lag daran, und dafür danke ich ihr sehr, dass meine Mutter wert darauf legte, uns Kinder das wenige Geld nicht spüren zu lassen. Worauf sie damals klammheimlich immer wieder verzichtete, das verrät sie nicht, sondern sie winkt einfach ab mit einem „Ach!“ 

 

Irgendwie, das kann ich heute sehen, zog sich das schlechte Gewissen über meinen finanziell sehr entspannten Lebensstil sehr lange durch mein Leben. 

 

Sogar als Studentin konnte ich mir diese Vorwürfe aus dem Mund meiner Schwester noch anhören, die mir lange, direkt, meist aber indirekt, vorwarf, dass sie nach der Realschule gleich gearbeitet hätte, während ich ja sogar noch das Studium bezahlt bekäme. Und dann auch noch die Reiserei! Dass ich, seit ich 15 Jahre alt war, immer gearbeitet, also nebenbei gejobbt hatte, das war egal. Ich kostete meine Eltern Geld und damit ja auch irgendwie sie. 

Ich lächle, wenn ich das schreibe. Denn heute weiß ich, dass sie einfach der Mund war, aus dem meine eigenen Schuldgefühle mir entgegen jagten. Falls meine Schwester das jetzt lesen sollte oder meine Mutter es zu Ohren bekommt: Ich liebe euch dafür, dass ihr die seid, die ihr seid! 

 

Ihr könnt nichts dafür, dass ich so lange meine Schuldgefühle behalten und unterdrückt habe. 

 

Während ich diese Zeilen schreibe, blicke ich auf den tiefblauen Pool, der unter meiner Balkonbrüstung, die eher eine Terrassenbrüstung ist, und sehe am Horizont das Mittelmeer. Die drei Nächte habe ich in einem exzellenten Bett geschlafen und morgen werde ich zurückfliegen in meiner Münchner Wohnung, die ich auch liebe. Ich lebe glücklich in einer Stadt, die sich viele Menschen nicht leisten können und in der anderswo zahlreiche Flüchtlinge weilen. Menschen, die in Plattenbauten nicht wissen, wie sie die neuen Schuhe der Kinder bezahlen sollen, weil die Stütze einfach zu knapp ist. 

 

Muss ich mich dafür schämen? 

 

Wäre ich Hindu, käme ich gar nicht erst auf diesen Gedanken. Die Inder sind da knallhart. Alles Karma. Wer reich ist und gesund, der muss einfach in früheren Leben ein toller Mensch gewesen sein, sonst würde er das nicht verdienen. Daher verdient er Respekt. Wer es in dieser Runde schlechter hat, ist ebenso selber schuld. Schlechtes Karma angehäuft. Da hilft nur, ein besserer Mensch zu werden, damit man es beim nächsten Mal besser hat. Reich, schön, gesund sein, das ist ein Aushängeschild für die Qualität der Seele. An sich eine interessante Haltung, wäre da nicht der Aspekt des Verdammtseins zu dem, was man jetzt ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

Dass ich nach wie vor Spuren des schlechten Gewissens in mir trage (trug?), konnte ich Donnerstagabend bemerken. Ich poste sehr gerne auf Facebook und teile meine Leben ja gerne mit anderen Menschen, einfach deshalb, weil es Spaß macht und viele mich immer wieder wissen lassen, dass sie das inspiriert. Umso interessanter, dass ich Hemmungen hatte, Bilder des Apartments zu posten. 

 

„Das könnte viele neidisch machen“, dachte es in meinem Kopf. 

 

Und das wollte ich nicht. Nur: Wieso nicht? Das geht mich doch nichts an, ob andere auf meinen Lebenstil neidisch sind. Aber meine Angst, die interessierte das. Denn immerhin könnten sich die Neider von mir abwenden. Sie könnten schlechte Dinge über mich sagen, schreiben, Lügen verbreiten. Und ich, ich könnte nichts dagegen tun. 

 

Spannend, was so alles für Programme ablaufen.

 

Wie immer, wenn ich merke, dass ich Teil eines alten Programms bin und nicht mein wahres Ich, tat ich genau das, wovor ich Angst hatte. Ich machte also schöne Bilder und ließ andere an meinem Glück teilhaben bzw. entscheiden, was sie darüber denken wollten. Und was soll ich sagen: Sehr, sehr viele freuten sich mit. Ein paar waren neidisch, aber deshalb nicht böse auf mich. Und falls es welche waren, blieben sie, wie meist, aus meinem Resonanzfeld fern. Ob die paar Likes, die von meiner Autorenseite auf Facebook verschwanden, dem geschuldet waren, vermag ich nicht zu sagen. Sogar wenn, dann ist es gut so. Denn jeder darf entscheiden, was er lesen oder nicht sehen will und was er über das Leben anderer denken möchte. 

 

Jeder darf sich so unglücklich oder glücklich denken, wie er möchte.

 

Ich jedenfalls genieße die schöne, ruhige Musik im Hintergrund. Den Streifen Meer vor mir, das Plätschern des Poolwasserfalls. Ich weiß, dass es sehr viele gäbe, die sich das auch leisten könnten für ein paar Tage, die das aber, anders als ich, nicht machen, weil sie dafür an ihre Altersvorsorge müssten. Oder dann nicht ganz so viel übrig bleibt. Oder weil sie sich das lieber für später aufheben. Jeder so, wie er mag. Für mich findet Leben jedenfalls jetzt statt. ich darf spüren, dass ich erfolgreich bin, auch wenn ich bereits jetzt mein Unterbewusstsein schon wieder rattern höre. Tief in mir drinnen, da glaube ich (!), dafür noch einen Preis zahlen zu müssen, der das rechtfertigt. Einen, der mich nichts kostet, aber mit dem ich mich rechtfertigen kann. Nicht schlimm, auch das wird noch heilen. Davon schreibe ich ein anderes Mal. Jetzt genieße ich erst einmal die Sonne auf meiner Haut. Einfach deshalb, weil ich es kann. 

 

(9.11.2015)